Schabbatmodus tritt in Kraft am 03.10.2014 um 17:43 Ist unsere Abschreckung dahin? – Chagai Segal kommentiert: “Israels Abschreckung hat Schaden genommen”. | ARO1 – Israel, der Nahe Osten & der Rest der Welt

Danke an Renate fuer die Uebersetzung dieses Kommentars von Chagai Segal bei Ynet

Teil des makaberen Humors, der hier waehrend des Jom Kippur Krieges die Runde machte, war es zu sagen, dass die Araber von den Juden gelernt haben zu siegen, waehrend die Juden von den Arabern gelernt haben zu luegen.
Seit dem Jom Kippur Krieg haben wir noch drei oder vier weitere Kriege erleben müssen – wer will noch mitzählen – und wir haben von der arabischen Seite einiges dazu gelernt. Unter anderem folgendes: Unsere Versprechen nicht einzuhalten.
So viele Male haben wir gelobt, die Hamas Organisation zu zerschlagen, sollte sie es wagen, die Anwohner Südisraels anzugreifen. Doch wie selten haben wir unser Wort gehalten. Tatsächlich haben wir, genau betrachtet, unser Wort gar nicht gehalten. Sogar die Operation “Gegossenes Blei”, die unsere Vergeltungsmaßnahmen im Hamas regierten Gaza prägt, bewies ein ziemlich schwaches Vorgehen; aus diesem Grund brachte sie auch nur spärliche Ergebnisse hervor:


Denn Ismail Haniyeh blieb am Leben, sein Kraftwerk blieb weiterhin in Betrieb, und die Philadelphi Route [Anm.: 14 km lange Grenze zwischen Gaza und Ägypten, die Israel dem Oslo Abkommen zufolge überwachen sollte, um Waffenschmuggel zu verhindern] wurde nicht blockiert. Die Terroristen lernten, dass wir im entscheidenden Moment immer einen Waffenstillstand einem Sieg vorziehen würden. Und so hörten sie auf, uns zu fürchten.
Als ein Schulbus gezielt mit einer Panzerabwehrrakete beschossen wurde, reagierte Israel damit, eine neue Umgehungsstraße zu bauen. So geschehen in diesem Frühjahr. Auf diese Weise bringt man seinen Feinden nicht das Fürchten bei. Sie sind sich zwar darüber im Klaren, dass sie gegen uns bei einer direkten Auseinandersetzung keine Chance haben, doch sie haben begriffen, dass Israel bereitwillig eine Unzahl von Demütigungen über sich ergehen lassen wird, um nur eine solche direkte Konfrontation zu vermeiden.
Sogar dann, wenn Ehud Barak einmal damit droht, Terroristen einen Kopf kürzer zu machen, spricht seine Körpersprache deutlich aus, dass er primär einen Waffenstillstand wünscht. Er macht sich in erster Linie Gedanken bezüglich der Entwicklung und Funktion des Kipat Barsel (Iron Dome), nicht darum, wie Gaza zu bestrafen sei. Er hat den Wunsch zu siegen schon seit etlichen Jahren aufgegeben. Und nun möchte er nicht einmal mehr Abschreckung bewirken.
Zweifellos wird unsere spärliche Erwiderung auf das Bombardement Beerschewas und Aschdods von den Bewohnern Gazas als extreme jüdische Schwäche ausgelegt werden. Sie hatten extra all ihre Hauptquartiere evakuiert, weil sie eine besonders gewalttätige israelische Erwiderung auf die Raketenangriffe gegen das Innere unseres Landes erwarteten. Doch nun haben wir sie wissen lassen, dass wir uns selbst bei äußersten Provokationen um keine Reaktion bemühen. Früher einmal hätten wir heftig reagiert, wenn unser Blut vergossen worden wäre, doch jetzt entschuldigen wir uns noch in solchen Fällen.
“Wenn irgendjemand denken sollte, dass der Staat Israel dies akzeptieren wird, dann irrt er sich”, erklärte unser Premierminister nach dem schrecklichen Terrorangriff bei Eilat. Worte, Worte, Worte. Der Staat Israel akzeptiert dies ganz offensichtlich. Netanjahus und Baraks Akzeptanz einer plötzlichen Waffenruhe ist, angesichts all dessen, was hier in den vergangenen Tagen geschehen ist, ein nationales Desaster in sicherheitspolitischer wie psychologischer Hinsicht. Selbst technisch höchst entwickelte Warnsysteme können den fortlaufenden Niedergang unserer Abschreckungsfähigkeit nicht wieder gutmachen.


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